ORIGINALARTIKEL (Englisch): In einer Welt, in der jeder Morgen scheinbar mit einer Flut an Inhalten beginnt, die uns dazu drängen, unser Leben zu perfektionieren, ist es leicht, sich überfordert zu fühlen. Neulich, als ich durch LinkedIn scrollte, wurde ich mit Posts bombardiert, die versprachen: „8 Simple Ways to Start a Business“ und „6 Simple Steps to Improve My Life“. Ich konnte nicht anders, als über die Idee zu lachen, dass in meinem Leben offenbar die Schritte drei und fünf fehlten. Um 8:50 Uhr hatte ich bereits meinen Sättigungspunkt für Optimierung erreicht.
Der Streben nach Perfektion: Eine zweischneidige Medaille
Betrachten wir die jüngste Aufregung um Steven Bartlett, den Moderator des Podcasts „Diary of a CEO“, der darüber lamentierte, wie ein paar Gläser Wein seine sorgfältig optimierte Routine aus der Bahn geworfen hätten. Auch wenn Stevens ehrlicher Einblick in die Auswirkungen auf seinen Schlaf, seine Gym-Routine und seine Produktivität nachvollziehbar war, zeigte er zugleich sehr eindrücklich, wie weit wir das Streben nach Perfektion getrieben haben. Die Wellness-Industrie soll laut einigen Berichten bis 2029 auf 9,8 Billionen US-Dollar anwachsen – ein Zeichen dafür, wie sehr wir nach einem optimierten Leben suchen.
Dieses unermüdliche Streben nach Perfektion, so lobenswert die Absicht auch sein mag, schlägt oft ins Gegenteil um. Es kann zu mehr Stress und Unzufriedenheit führen, während wir Sleep-Tracker, Ernährungsprotokolle und Trainingspläne jonglieren. Die Ironie ist: Wenn wir versuchen, das perfekte Leben zu erreichen, übersehen wir manchmal die schlichte Freude, es tatsächlich zu leben.
Warum „nicht optimiert“ manchmal einfach besser ist
In professionellen Kontexten kann diese Fixierung auf Optimierung Innovation und Kreativität ausbremsen. Der Druck, makellose, polierte Ergebnisse abzuliefern, kann Produktstarts verzögern und Prozesse verlangsamen. Das ist ein Paradox, das der Nobelpreisträger Herbert A. Simon bereits identifizierte, als er 1956 den Begriff „Satisficing“ einführte. Allerdings begann Simons Untersuchung des Entscheidens bereits 1947 und legte damit den Grundstein für diese einflussreiche Idee. Indem Simon „satisfy“ und „suffice“ miteinander verband, machte er deutlich: Manchmal ist es klüger, sich mit „gut genug“ zufrieden zu geben, statt nach dem Unerreichbaren zu streben.
Barry Schwartz und sein Team bauten darauf auf – mit ihrer Forschung zu „Maximizers“ und „Satisficers“. Während Maximizers den bestmöglichen Ausgang verfolgen, landen sie oft bei höheren Werten von Bedauern und Stress. Satisficers hingegen, die sich mit „gut genug“ arrangieren, bleiben in Bewegung und erleben mehr Zufriedenheit. Sie erkennen: Manchmal ist die erste Option, die die Basiskriterien erfüllt, völlig ausreichend.
